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Hufrollenentzündung

Podotrochlose, Hufrolle, Hufrollenlahmheit, Strahlbeinlahmheit

Der Begriff beschreibt ein breites Spektrum von Veränderungen an der Hufrolle. Dieses schmerzhafte Erkrankung, die in erster Linie an der Vorhand auftritt, wird häufig übereilt diagnostiziert und oft zu dramatisch – nicht immer ist zum Beispiel ein Röntgenbefund auch gleichzeitig Ursache einer Lahmheit, weshalb eine umfangreiche diagnostische Arbeit ist unerlässlich. Erbliche Veranlagung, Stellung der Gliedmaße, unsachgemäße Hufbearbeitung, zu frühes Training, unsachgemäße Haltungsbedingungen können eine Entstehung beeinflussen.

 

Enstehungstheorien:

1. aufgrund der Bewegungen und Erschütterungen entwickelt sich eine Entzündung des Schleimbeutels (Buritis), die zu Veränderungen der Sehnengleitfläche des Strahlbeins führt. Stellungsfehler (lange Zehen/niedrige Trachten) oder hohes Körpergewicht beeinflussen die Entstehung maßgeblich.

2. eine hohe Belastung durch die tiefe Beugesehne führt zu Knochenumbauvorgängen im Bereich der Sehnengleitfläche des Strahlbeins

3. eine weitere Theorie beschreibt einen Arterienverschluss (Thrombose), der eine ischämische Nekrose des Strahlbeins verursacht. Aufgrund dieser Veränderung kommt es zu einer vermehrten Blutgefäßbildung, deren Folge eine Osteoporose an der Spitze der Gefäßlöcher ist (Lollipop lesions).

Zuallererst sei erwähnt, das Hufrolle nicht die Erkrankung beschreibt, sondern den Komplex der aus Strahlbein (os sesamoideum distale) , Hufrollenschleimbeutel und der tiefen Beugesehne. Das Strahlbein ist kleiner, dicht strukturierter, schiffchenförmiger Knochen der zwischen Hufgelenk und tiefer Beugesehne liegt. Gemeinsam mit Hufbein und Kronbein bildet er das Hufgelenk. Seine Aufgabe ist die Verbesserung der Funktion der tiefen Beugesehne. Die beiden konkaven Teile, in der Richtung zum Hufgelenk, sind mit hyalinem Knorpel überzogen. In mittleren Bereich am oberen Rand des Strahlbeins sind kleine Gefäßlöcher zu finden. Am unteren Rand sehen wir eine Reihe mit verschieden großen Gefäßlöchern. Halt gibt das Strahlbein-Hufbeinband (Lig. Sesamoideum distale impar) sowie die paarigen Seitenbänder des Strahlbeins (Fesselbein-Strahlbein-Hufbeinbänder), die sehr elastisch sind und deshalb bei unsachgemäßer Hufbearbeitung (zu niedrige Trachten) großer Belastung ausgesetzt sind. Die palmare Fläche des Strahlbeins ist von Faserknorpel bedeckt, der die Gleitfläche vor Abnutzung schützen soll. Zwischen dieser Schicht und der tiefen Beugesehne liegt ein Schleimbeutel (bursa podotrochlearis). Er polstert die über das Strahlbein gleitende Beugesehne.

Anzeichen:

Betroffene Pferde zeigen eine unregelmäßige, aber fortschreitende Lahmheit (meistens) der Vorderhand, es können beide Füße betroffen sein, müssen aber nicht. Nach schwerer Arbeit bilden sich diese Symptome aus. Eine verkürzte Schrittlänge, schlurfender Gang und leichtes stolpern gehen einher. Die einsetzende Zehenfußung ist ein weiteres Signal, deutlich am Abrieb des Tragrandes im Zehenbereich zu erkennen – das Pferd versucht den Trachtenbereich zu entlasten.

Besteht die Krankheit über längere Zeit, verändert sich die Hufform. Aufgrund der zehenlastigen Fußung bilden sich höhere, engere Trachten.

 

 

 

Diagnose:

Zehenbeugeprobe, Röntgendiagnostik, diagnostische Anästhesie (Leitungsanästhesie der nervi digitales palmares und/oder der bursa podotrochlearis), Feststellen der Fußung und der Bewegung, Abtasten der mittleren Strahldrittels mit der Hufuntersuchungszange. Einschränkungen (ähnliche Anzeichen): Ostitis des Hufbeins, Sohlenquetschungen, tiefe Schale, Zehengelenksrthritis, Arthrose.

Behandlung:

In erster Linie ist festzustellen, dass Knochenveränderungen nicht heilbar sind, also degenerativ. Mit dem Wissen, dass eine Lahmheit nicht zwingend einhergehend ist, ist es umso wichtiger, neben der medizinischen Versorgung durch den Veterinär eine adäquate und orthopädisch sinnvolle Hufbearbeitung einzuleiten. Diese kann schon zur deutlichen Verbesserung führen. Aus unserer Sicht ist ein Beschlag nicht die Lösung., da die Verbesserungen auf eine abrupte Veränderung des Fesselstandes und in zweiter, auf den nicht mehr funktionierenden Tastsinn zurückzuführen sind (Kontakt Strahl/Boden nicht mehr vorhanden), eine dauerhafte Lösung ist also nicht erreicht. Im Gegenteil, durch die Unterdrückung des Schmerzempfindens geht das Pferd unsensibel mit der Gliedmaße um, was die Situation verschlechtern kann. Siehe auch Argumente gegen den Eisenbeschlag. Mittels Huforthopädie sollte eine gleichmäßige Hufform und eine zur Anatomie des Pferdes passende, regelmäßige Fuß-Fessel-Achse hergestellt werden, physiologisch verträglich und ohne negative Einflüsse. Die Reduzierung des Zuges der Beugesehne, eine positive Entwicklung, tritt so automatisch als Folge der huforthopädischen Arbeit ein.

Viel diskutiert ist die Neurektomie (Durchtrennung der Nerven). Wegen der diversen Komplikationen ist sie aus unserer Sicht nicht angeraten. Eine dauerhafte Desensibilisierung ist auch wegen der möglichen Regeneration der Nerven fragwürdig. So können Nervenäste zu weiterem Schmerzempfinden führen, Neurome können entstehen, vernarbtes Gewebe kann die Blutversorgung des Hufes beeinträchtigen (dies kann Veränderungen der Hornbildung bedingen). Mögliche Veränderung der tiefen Beugesehne, die aufgrund der fehlenden Schmerzsensibilität uneingeschränkte Belastung erfährt, können eine Ruptur (Zerreißung) begünstigen.

Strahlbein

berichten Sie über Ihre Erfahrungen.

Welche Symptome konnten Sie erkennen, wie war der Krankheitsverlauf, welche Untersuchungen wurden durchgeführt, welche Behandlung empfohlen und durchgeführt, wie waren die Erfolge. Bitte senden Sie uns auch Informationen zum betroffenen Pferd (Rasse, Geschlecht, Alter, Einsatz und Haltungsbedingungen, etc.).

Wir wollen versuchen Antworten auf die wichtigesten Fragen zu diesem Thema zu erstellen, weshalb es auch sehr wichtig ist zu erfahren, welche Punkte für Sie noch nicht klar sind.

Wir freuen uns auf Ihre Zusendungen an info@huf24.com